ESCADA PELZFREI – Demo in München

Gemeinsam mit Freund*innen aus München und der Offensive gegen die Pelzindustrie haben auch wir im Rahmen der ESCADA PELZFREI Aktionstour 2019 eine Demo gegen Pelz und das pelzverkaufende Unternehmen Escada veranstalten, und zwar am 26.10. in München:

An einem sonnigen Samstag machten sich ein paar Aktivist*innen von Liberation Nürnberg! auf den Tagesausflug nach München, um zu helfen ein deutliches Zeichen gegen Escada zu sezten. Gegen 14 Uhr versammelten sich dann alle Teilnehmer*innen aus München und Umgebung vor dem Geschäft der Modekette in der Münchner Innenstadt. Rund 20 Aktivist*innen zeigten potentiellen Kund*innen mit Bannern, Schildern, Flyern und informativen Redebeiträgen (siehe unten) die grauenhaften Zustände in der Pelzindustrie auf. Zur Auflockerung und Motivation gab es auch eine kurze Laufdemo durch die Stadt, bei der die anwesenden 20 Personen zeigten, dass es keine Tausendschaft benötigt, um auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen. Passant*innen und vor allem Verkehrsteilnehmer*innen viel es schwer unsere Forderungen nach einem Ende der Pelzindustrie nicht wahrzunehmen. Mit Skandierungen wie: “In München und an jedem Ort, Pelzhandel stoppen JETZT SOFORT!” ließen wir keinen Raum für reine Forderungen nach Verbesserungen von Bedingungen wie sie unsere Bundesregierung nur allzu gerne Lobby-konform macht. Wir möchten uns hier auch bei allen weiteren Organisator*innen und Unterstützer*innen bedanken, die anwesend waren oder auch dabei geholfen haben die Veranstaltung publik zu machen! Den kleinen Erfolg den wir direkt beobachten konnten war direkt vor Ort zu sehen: anscheinend sorgten unsere Beiträge und Informationen dafür, dass ein Großteil der potentiellen Kund*innen ihren Besuch bei Escada zumindest an diesem Tag kritisch hinterfragten: nur eine einzige Person betrat den Laden, solange wir davor standen. Jeder Cent weniger den Escada verdient ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung!

Unser Redebeitrag:

Es wird wieder kühler, wir Menschen holen wieder die wärmere Kleidung für Herbst und Winter aus dem Schrank. Und wie es der Trend in den letzten Jahren so wollte sind wieder vermehrt mit Fell-Optik gezierte Kapuzen, Ärmel, Mäntel, Mützen, Schuhe, Taschen und andere Accessoires zu sehen. Ein Trend der vor einigen Jahren aus triftigen Gründen in Nischen versunken ist. Hingegen der Meinung vieler, ist mit Echtpelz ist nicht nur der reine Fellmantel aus dutzenden von Kleintierfellen gemeint, sondern vor allem auch all die viel präsenteren kleinen Fellbommel und Kapuzensäume. Egal wie klein der Fellanteil auch ist, ein Leben wurde dafür beendet.

Ein Teil des deutschen Einzelhandels sieht auch immer noch davon ab offiziell Echtpelz zu verkaufen. Allerdings werden in vielen Fällen die besonders günstig angebotenen Kleidungsstücke mit Echtfell verziert, nicht selten auch von Hunden, Katzen oder Kaninchen, und das ohne eine klare Kennzeichnung zu tragen. Das Interesse der Behörden diese Verbrauchertäuschung zu ahnden ist quasi nicht vorhanden, denn wie in so vielen anderen Lebensbereichen gilt auch hier: Lang lebe das Kapital. So absurd es auch klingt, unter den Bedingungen, die in einer gängigen sogenannten Pelzfarm herrschen, ist es günstiger den Kapuzensaum aus tierlichem Fell zu “produzieren” als ihn aus Kunstfaser herzustellen. In Anbetracht der höheren Gewinnspanne wird das Wohlergehen der Besitzerin oder des Besitzers schnell zweitrangig und auch die kontrollierenden Ämter drücken schnell beide Augen zu.

Viele von uns kennen die grauenhaften Bilder nur zu gut, von Nerzen die apathisch im Kreis springen, in einem Käfig kaum größer als ein Viertel Quadratmeter – Dazu im starken Gegensatz leben Nerze in freier Wildbahn in Revieren von bis zu 20 km². Diese psychische und physische Hölle hält rund 7 Monate an bis sie für ihr Winterfell mit Kohlenstoffmonoxid erstickt werden. Rund ein Fünftel einer, im Fachjargon als “Ernte” bezeichneten, bis zu zehntausenden Persönlichkeiten zählenden Generation erleben diesen Zeitpunkt gar nicht erst, weil sie bereits ihren Wunden oder Krankheiten erliegen.

Auch die nah mit Hunden verwandten Füchse werden auf euphemistisch sogenannten Fuchsfarmen für die Produktion von Pelzbesätzen gezüchtet. – Ihr seht, selbst die Sprache, die in dieser Industrie verwendet wird, ist darauf ausgerichtet diese fühlenden Individuen als gefühlslose Gegenstände, ja, einzig und allein als Ware, zu sehen.- Und auch diese Füchse werden ihrer natürlichen bis zu 50 km² großen Reviere beraubt und in Käfige von ca 1m² gepfercht. Bilder aus solchen Anstalten zeigen verwahrloste Tiere, die ihren Willen zu leben anscheinend verloren haben, liegend in ihren eigenen Exkrementen. Diejenigen die diese Tortur überleben werden am Ende ihrer Zucht mit Starkstrom getötet. Und wozu? Damit wir Menschen uns mit Fellakzenten schick fühlen können? Der Nutzen des Fells anderer Individuen um besonders kalte Winter zu überstehen, existiert schon seit mindestens über 100 Jahren nicht mehr.

Und trotzdem sehen wir auf den Straßen wieder mehr und mehr Pelzprodukte. Woran liegt das? Etwa an einem tatsächlichen Bedarf? Das alte Märchen von Angebot und Nachfrage? Oder doch an suggestiver Werbung und Vermarktung von Unternehmen wie Escada, deren einziges Ziel die Vermehrung ihres Kapitals ist? Die ihr Angebot für dieses Ziel rücksichtslos und auf Kosten anderer so auslegen, dass sie den höchsten Gewinn machen? Denn Kund*innen kann man ja zeigen was sie eigentlich haben möchten.

Obwohl Escada fast ein Jahrzehnt ohne Pelz im Sortiment auskam, sind sie jetzt wieder im Geschäft und gehen erneut buchstäblich über Leichen. Leichen von mehr als fünfzig Millionen Füchsen, Nerzen und weiteren Individuen jährlich. Also baut ein renommiertes Modeunternehmen auf einem Fundament aus Blut und Leid unvorstellbar vieler nichtmenschlicher Tiere. Ein untragbarer Zustand, den wir nicht hinnehmen. Seit 2017 verkauft Escada wieder Pelz, seitdem findet wieder mehr und mehr anschwellender Protest statt, der ein Ende der ethisch unvertretbaren Pelzindustrie fordert. Lasst uns auch heute deutlich machen, dass wir nicht ruhen werden bis Escada und andere Unternehmen keine Plattform mehr für die barbarische, industrielle Versachlichung von Tieren bieten, und dass wir laut sein werden bis jede Tierausbeutung ein Ende gefunden hat!

Was jede*r Einzelne tun kann:

1. Boykottieren Sie Unternehmen, die Pelze verkaufen und kaufen Sie selbst keine Pelzprodukte.

2. Setzen Sie sich gegen jede Form der Tierausbeutung ein und leben Sie vegan.

3. Nehmen Sie an Protestaktionen gegen Escada und gegen Tierausbeutung im Allgemeinen teil.

4. Beschweren Sie sich auf sozialen Netzwerken bei Escada und anderen pelzverkaufenden Unternehmen. Schreiben Sie Briefe, Faxe oder E-Mails.

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